2018 - Wanderurdertreffen - Nachgang

Draußen im Watt ist die Welt still. Kein Klangbrei mehr. Jedes einzelne Geräusch tritt hervor. Die Hintergrundmusik des Windes, das Sirren der Seeschwalben und der Rhythmus der Ruderboote. Im stets gleichen Takt tauchen die Skulls (Ruder) ein und werden durchs Wasser gezogen. Der Suezpriel ist das Ziel der Ruderer. Die sind am Wochenende aus ganz Niedersachsen, Hamburg, Berlin und Magdeburg nach Nordenham gekommen, um von hier aus Unterweser und Außenweser zu erkunden.

Fotos: NRC 2018

Einmal jährlich richtet der Niedersächsische Ruderverband ein großes Treffen für Wanderruderer aus. Diesmal in Zusammenarbeit mit dem Nordenhamer Ruderclub von 1908 (NRC). Rund 60 Ruderer kamen beim NRC zusammen. Die meisten von ihnen waren erstmals in der Wesermarsch. Und es hat ihnen sehr gefallen. „Ein bisschen seid Ihr Ruderer hier oben auch Seefahrer“, sagt ein junger Ruderer aus Hameln. „Fantastisches Revier“, schwärmt Petra Bertram, im Ruderverband Sachsen-Anhalt fürs Wanderrudern zuständig.

Rudern zwischen Seehunden

Wanderrudern: Damit ist gemeint, dass Ruderer mit ihren Booten lange Touren unternehmen. In Abgrenzung zum Rennrudern auf kurzen Regattastrecken. Wanderruderboote sind robuster, und diejenigen, die am Wochenende in Nordenham zum Einsatz kamen, trotzten auch dem kräftigen Ostwind , der vor allem Sonntagmittag die Weser aufwühlte. Ein bisschen abenteuerlich war`s trotzdem. Denn die Heimatgewässer vieler Gastruderer sind so glatt wie ein Babypopo.

Der Nordenhamer Ruderclub bot für die Veranstaltung vier Touren an: am ersten Tag Rund um die Strohauser Plate (27 Kilometer) und den Harriersand (51 Kilometer), am zweiten Tag in den Fischereihafen von Bremerhaven (ca. 25 Kilometer) und hinaus ins Watt (ca. 40 Kilometer). Diese Strecken gewährten den Ruderern viele neue Eindrücke und Erlebnisse. Ob die Schilflandschaften der Strohauser Plate oder das lebhafte Treiben an der Strandseite des Harriersandes, wo zahlreiche Badegäste bei dem schönen Wetter eine Erfrischung in der Weser suchten. Ob Fischbrötchen und Bredo-Werft im Fischereihafen oder Containerterminal und Seehunde in der Außenweser.

Der Suezpriel beginnt wenige Kilometer nordwestlich des Containerterminals. Der Priel führt parallel zur Weser zurück Richtung Bremerhaven. Auf den Sandbänken liegen Seehunde. Manche robben ins Wasser, nähern sich neugierig den Booten, strecken ihren Kopf raus und tauchen wieder ab, wenn das Ruderboot zu nah kommt. Im Hintergrund ragen die Containerbrücken in den blauen Himmel. Rudern in solch einem Ambiente ist ein Erlebnis, das nur weniger Ruderclubs in Deutschland bieten können.

So gab es an zwei gemütlichen Abenden im Bootshaus des Nordenhamer Ruderclubs viel zu erzählen. Die Stimmung war bestens, und so ganz nebenbei wurde das Landesrudertreffen auch zu einer Werbeveranstaltung für Nordenham und die Region, denn die wenigsten hatten damit gerechnet, am Ende Niedersachsens solch ein Revier kennenzulernen.

Viele Helfer

Für einen kleinen Verein wie den Nordenhamer Ruderclubs war die Ausrichtung einer landesweiten Veranstaltung eine Herausforderung. Landeswanderruderwart Kai Basedow bescheinigte den Nordenhamern, dass alles hervorragend geklappt hat. Dazu haben neben zahlreichen aktiven Helfern des Ruderclubs auch andere Vereine und Verbände beigetragen. Der Segelclub war bei der Unterbringung der Gäste behilflich. Das Deutsche Rote Kreuz engagierte sich bei der Verpflegung. Und die Nordenhamer DLRG begleitete die Ruderer am Sonntag ins Watt – für den Fall der Fälle.

Für maritimes Ambiente sorgten nicht nur Wellen, Seehunde und Containerschiffe, sondern auch der Nordenhamer Shantychor, der den Ruderern im Bootshaus ein Ständchen brachte.