Gezeiten, Schlick und Wellen

Glasklares Wasser mit spiegelglatter Oberfläche und lustig huschenden Fischlein ...


WESER STAHL passiert bei spiegelglattem Wasser den Anleger des NRC auf dem Weg von Dünkirchen nach Bremen zum Stahlwerk .


... dafür ist die Weser in Nordenham noch nie berühmt gewesen. Ganz im Gegenteil:

Die Weser ist bei uns braun. Mal heller und mal dunkler aber im Wesentlichen schlickbraun, weil sie durch die hohe Fließgeschwindigkeit so viel Sediment aufwirbelt, dass man gerade einmal einen einzigen Zentimeter weit hinein schauen kann. Falls es also Fische geben sollte: wir hätten sie noch nie gesehen.


Die Weser ist ein Tidengewässer. Mit ca. vier Metern Tidenhub ist der Unterschied zwischen Ebbe und Flut schon erheblich. Bei Tidenhochwasser plätschern die großen und kleinen Wellen direkt einen halben Meter vom Bootsplatz entfernt ans steinbefestigte Ufer. Bei diesem Wasserstand verläuft unser Steg schnurgerade waagerecht bis zum Schwimm-Anleger. Bei Ebbe dagegen liegt der Schwimmer platt im Schlick oder auf dem Sand, je nachdem, in welcher Verfassung sich das Weserufer gerade befindet. Die wechselt nämlich von Jahr zu Jahr.

Manches Boot - so ist überliefert - ist halbe und ganze Stunden am Anleger auf- und abgerudert, bis wieder genug Wasser unterm Kiel war, um schwimmend anzulegen. Andere machen das so ähnlich ... Prost!

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Unser Anleger bei Ebbe, im Schlick liegend


Völlig unbeschreiblich sind die Ausflüge ins Watt. Da kann man von den Prielen aus nicht über die Sandbänke hinweg schauen, weil sie so hoch sind. Und wenn man an einer Sandbank anlegt oder sich trocken fallen lässt, kann man aussteigen und über den Grund der Weser spazieren. Danach kommt das Wasser mit Macht zurück und bedeckt alles einheitlich zu einer einzigen großen Wasserfläche.

Je nachdem, wo man sich zu welchem Zeizpunkt aufhält, kann das überraschend schnell gehen. Wohl dem, der dann ein gutes Boot hat - wehe dem, der nicht.


Und schließlich hat die Weser Wellen. Und die sind oft ernsthaft hoch. Und manchmal kommen sie recht überraschend, wenn nämlich die Tide gekentert ist und die Strömung der Weser plötzlich gegen den Wind läuft. Weil unsere Wellen außer hoch auch noch vergleichsweise lang sind und weil sie am Ufer auslaufen, statt zurückzuschlagen, kann man in ihnen ganz gut rudern.

Unsere Boote sind entsprechend ausgerüstet:

  • Schotten trennen die Boote in drei Segmente,
  • vorn und achtern können Abdeckungen gegen Schlagwasser schützen,
  • die Dollen sind maximal hoch geriggert, damit wir beim Rudern über die Wellen scheren können.

Und für besonders anspruchsvolle Wetterlagen haben wir die WILHELM BETTE:

  • sie ist besonders breit,
  • hat feste Abdeckungen mit dicht schließenden Luken,
  • und nach innen hochgezogene Wellenabweiser an den Bordwänden.

Außerdem ist die "fette Bette" unermesslich schwer und hat daher eine Wasserlage wie ein Eisbrecher. Oder ein Schlepper. Nur: schnittig ist sie natürlich überhaupt nicht. Wie ein Eisbecher. Oder ein Schlepper.

Kurz und gut:
auf der Unterweser zu rudern ist anspruchsvoll. Und reizvoll. Und toll.

Wer von Nordneham weiter stromabwärts fahren möchte, sollte sich vorher bei uns informieren - am Besten, es kommt gleich jemand von uns mit.

Noch ein paar Bilder: