Pfingsten 2009
Hemmoor, Oste

von Elmar Berger

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Nun also die fünfte Pfingst-Wander­fahrt. Nachdem uns im letzten Jahr Carsten vom Ruder-Verein Osterholz-Scharmbeck durch Ost­fries­land geführt hat, sind wir in diesem Jahr in die Elbmarsch gefahren, um dort zu rudern. Unsere Basis-Station war der das Boots­haus der Wasser­freunde Hemmoor.

Ich selbst habe ja nur vier Jahre in der Weser­marsch verbringen dürfen und hatte von Hemmoor noch nie etwas gehört. Im Vorfeld der Wander­fahrt habe ich es dann versäumt, mir anzu­schauen, wo dieses Hemmoor denn nun liegt und deshalb war ich während der ganzen Fahrt räumlich etwas unorientiert. Für mich war das ein ungewöhn­liches Gefühl, denn normaler­weise weiß ich ziemlich genau, auf welchem Punkt der Erde ich mich befinde und wie weit es in welche Richtung bis Bremen, Hamburg oder Wuppertal ist. Nun also die völlige Ahnungs­losigkeit, die aber auch etwas Leichtes hat...

Um nun aber den Leser mit auf die Reise zu nehmen, sei beschrieben, dass Hemmoor eine Klein­stadt am linken Ufer der Oste im Land­kreis Cux­haven ist, auf halber Strecke zwischen Cux­haven und Stade liegend. Die Oste wiederum ist der nördlichste linke Neben­fluss der Elbe. Und das Boots­haus der Wasser­freunde Hemmoor liegt genau hier (GE).

Das Boots­haus der Wasser­freunde Hemmoor, abends beim Grillen

Die Wasserfreunde Hemmoor stellten uns einen C-Doppelzweier und einen C-Doppel­vierer zur Verfügung und das Boots­haus zum Nächtigen. Die Verteilung der Mann­schaften war schnell fest gelegt, denn Ruderer über 1,80 m Größe konnten in dem Vierer ihre Beine nicht unter­bringen. Deshalb ergab sich an beiden Ruder­tagen die Besatzung Bodo, Eckehard und Björn für den Zweier und Carsten, Christoph, Antje, Leerplatz und ich für den Vierer. Der Zweier war damit in Summe leistungs­stärker ausge­stattet, als der Vierer.

Flussabwärts zur Oste-Mündung

Am Samstag sind wir mit der Tide flussabwärts bis zur Oste-Mündung gefahren. Die schnellere Mann­schaft fuhr bis hinaus zum Oste-Turm (GE), der für die Schiff­fahrt die Oste-Mündung in die Elbe signali­siert, gerade so, wie das Unter­feuer nördlich der Strohauser Plate die Einfahrt in die Schweiburg signalisiert. Mit dem Vierer zogen wir es vor, ein paar hundert Meter früher an der Sand­bank anzulegen, die bei niedrigem Tiden­stand von der Elbe und der Oste als Halb­insel gebildet wird. Bei hohem Tiden­stand liegt sie voll­ständig unter Wasser (kennen wir ja von der Außen­weser). Als wir ankamen war Niedrig­wasser gerade über­schritten und das Wasser stieg wieder. Für mich war es ergreifend, hier über den Grund der Elbe zu laufen, mit den See­schiffen zum Greifen nah. Und es waren viele Schiffe! Und große! Unvergessen ist die Sandbank-Torte, die Carsten an diesem groß­artigen Ort aus ich-weiß-nicht welchem Behältnis zauberte!

Torten-Spende auf der Elbe-Sand­bank: ein un­vergesslicher Augen­blick.

Wenn wir bei der Hinfahrt zur Oste-Mündung von der anstehenden steifen Brise nichts gemerkt haben, die hier wehte, so lag das vielleicht an der Fahrt­richtung, sicher aber auch am Wasser­stand. Fluss­abwärts stellten die Sand­bänke der Elbe nämlich einen natürlichen Wind­schutz dar, über den wir auf weiten Strecken nicht hinüber sehen konnten. Auf dem Rück­weg – bei gestiegenem Wasser­pegel – immer wurde dieser Schutz immer weniger wirksam; dafür wurde es windiger. Ich war jeden­falls heilfroh, als wir am Oste-Sperrwerk wieder den Wind­schatten des Deiches erreicht hatten...

Ansonsten war es für mich über­raschend, wie viele Boote – vor allem Segler – sich in der Oste-Mündung tummelten. Einige hatten sich trocken fallen lassen und die Besatzungen spazierten um ihre Boote herum, gerade so, wie wir es auch getan haben...

Abends grillen und Bier trinken. Und Carsten hatte meinen neuen Freund Jan Torf mitgebracht. Das nächtliche Schlafen war nicht ganz so erquickend, weil irgend jemand beim Schnarchen zu viel Krach gemacht hat (einer findet sich immer!). Ich habe es dann vorgezogen, mich draußen am Deich unter den Vierer zu legen und dort den Rest der Nacht zu verbringen. Die Wiese draußen war auch ein bisschen bequemer, als der Betonboden im Boots­haus.

Das Elbe-Watt: un­end­liche Weite und ein ein­samer Ru­derer auf der Sand­bank.

Flussaufwärts zum Eis-Anleger

Am Sonntag sind wir die Oste – nun? auf­wärts gefahren! Wieder mit der Tide, bis zur Kreuzung mit der Bundes­straße 73 in Hecht­hausen (GE). Hier gibt es einen netten Anleger an der Wind­mühle und hier haben wir gerastet, bis zur Rück­fahrt. Abgesehen von der steifen Brise am Vortag auf der Elbe war Pfingsten 2009 sehr warm. Und es war so warm, dass uns auf der Rück­fahrt von der Wind­mühle die Sehnsucht nach einem Eis ergriff.

Nun ist die Oste mit Kiosken nicht sehr üppig ausge­stattet. Um ehrlich zu sein: an beiden Ruder­tagen haben wir keine Ein­kaufs­möglich­keit gesehen. Deshalb haben wir gegen Mittag einen Mann an­gesprochen, der es sich an seinem Steg im Liege­stuhl gut gehen ließ, während er seine Kinder beim Baden beauf­sichtigte. Eis?? Das gibt es bei ihm! Was wir denn gern hätten! Wir haben uns was mit Vanille und Schoko­lade gewünscht und dann ist er los geschlendert, und über den kleinen Oste-Deich gestiegen. Wir haben derweil an seinem Steg fest gemacht und als er zurück kam hatte er eine Papp­schachtel mit sechs Eis-am-Stiel: vier für uns und zwei für die Kinder. Die sind gar nicht erst aus dem Wasser gestiegen sondern haben das Eis gleich schwimmend geschleckt.

Wir kamen dann ins Gespräch und der Mann erzählte uns von seinem Haus, in dem er gerade den Touris­mus-Betrieb mit seinem Ferien­haus eröffnet hatte (leider keine Website). Für das Eis wollte er dann noch nicht einmal Geld …

Auf der weiteren Rück­fahrt hat mich etwas der Teufel gekitzelt. Ich weiß nicht mehr, wie es begann, aber irgend­wann habe ich an­gefangen, meine Mannschaft anzufeuern, wie ich es als Junior-Ruderer mit meinen Mann­schaften getan habe. Ich bin als Junior viel als Steuer­mann unter­wegs gewesen und kenne daher die vielen Ansagen und Beschimp­fungen, mit denen Steuer­leute ihr Boot nach vorne brüllen. Und nachdem die all­gemeine Kondition im Boot etwas nach­gelassen hatte, habe ich diesen Weg gewählt, die Fahrt zu Ende zu bringen.

Schwebefähre Osten-Hemmoor am Sonntag Morgen zu Beginn der Tagestour.

Spannend war, zu sehen, was passierte, als wir kurz vor dem Ziel an der Schwebefähre Osten-Hemmoor mehrere Dutzend Zuschauer hatten. Die ließen sich mit der historischen Technik über die Oste tragen und waren sehr inter­essiert an dem, was da laut brüllend durch die nach­mittägliche Stille drang. Und wie wir näher kamen mobilisierte die Mann­schaft noch einmal alle Kräfte und lieferte den Fähren­schwebern ein über­raschendes und beein­druckendes Bild, das gleich mehrfach foto- und video­grafiert wurde: ein Vierer, gespielt drei mit hoher Schlag­zahl und lautem Gebrüll – was für ein Spektakel …

Und weiter …

Nach der vielen Fluss­landschaft auf den letzten Pfingst­wanderf­ahrten haben wir uns noch in Hemmoor auf das Ziel für Pfingsten 2010 geeinigt: es soll nach Hamburg gehen, in die Häfen und auf die Alster. Mal was ganz Anderes!