von Elmar Berger
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Nun also die fünfte Pfingst-Wanderfahrt. Nachdem uns im letzten Jahr Carsten vom Ruder-Verein Osterholz-Scharmbeck durch Ostfriesland geführt hat, sind wir in diesem Jahr in die Elbmarsch gefahren, um dort zu rudern. Unsere Basis-Station war der das Bootshaus der Wasserfreunde Hemmoor. Ich selbst habe ja nur vier Jahre in der Wesermarsch verbringen dürfen und hatte von Hemmoor noch nie etwas gehört. Im Vorfeld der Wanderfahrt habe ich es dann versäumt, mir anzuschauen, wo dieses Hemmoor denn nun liegt und deshalb war ich während der ganzen Fahrt räumlich etwas unorientiert. Für mich war das ein ungewöhnliches Gefühl, denn normalerweise weiß ich ziemlich genau, auf welchem Punkt der Erde ich mich befinde und wie weit es in welche Richtung bis Bremen, Hamburg oder Wuppertal ist. Nun also die völlige Ahnungslosigkeit, die aber auch etwas Leichtes hat... Um nun aber den Leser mit auf die Reise zu nehmen, sei beschrieben, dass Hemmoor eine Kleinstadt am linken Ufer der Oste im Landkreis Cuxhaven ist, auf halber Strecke zwischen Cuxhaven und Stade liegend. Die Oste wiederum ist der nördlichste linke Nebenfluss der Elbe. Und das Bootshaus der Wasserfreunde Hemmoor liegt genau hier (GE). |
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Die Wasserfreunde Hemmoor stellten uns einen C-Doppelzweier und einen C-Doppelvierer zur Verfügung und das Bootshaus zum Nächtigen. Die Verteilung der Mannschaften war schnell fest gelegt, denn Ruderer über 1,80 m Größe konnten in dem Vierer ihre Beine nicht unterbringen. Deshalb ergab sich an beiden Rudertagen die Besatzung Bodo, Eckehard und Björn für den Zweier und Carsten, Christoph, Antje, Leerplatz und ich für den Vierer. Der Zweier war damit in Summe leistungsstärker ausgestattet, als der Vierer. Flussabwärts zur Oste-MündungAm Samstag sind wir mit der Tide flussabwärts bis zur Oste-Mündung gefahren. Die schnellere Mannschaft fuhr bis hinaus zum Oste-Turm (GE), der für die Schifffahrt die Oste-Mündung in die Elbe signalisiert, gerade so, wie das Unterfeuer nördlich der Strohauser Plate die Einfahrt in die Schweiburg signalisiert. Mit dem Vierer zogen wir es vor, ein paar hundert Meter früher an der Sandbank anzulegen, die bei niedrigem Tidenstand von der Elbe und der Oste als Halbinsel gebildet wird. Bei hohem Tidenstand liegt sie vollständig unter Wasser (kennen wir ja von der Außenweser). Als wir ankamen war Niedrigwasser gerade überschritten und das Wasser stieg wieder. Für mich war es ergreifend, hier über den Grund der Elbe zu laufen, mit den Seeschiffen zum Greifen nah. Und es waren viele Schiffe! Und große! Unvergessen ist die Sandbank-Torte, die Carsten an diesem großartigen Ort aus ich-weiß-nicht welchem Behältnis zauberte! |
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Wenn wir bei der Hinfahrt zur Oste-Mündung von der anstehenden steifen Brise nichts gemerkt haben, die hier wehte, so lag das vielleicht an der Fahrtrichtung, sicher aber auch am Wasserstand. Flussabwärts stellten die Sandbänke der Elbe nämlich einen natürlichen Windschutz dar, über den wir auf weiten Strecken nicht hinüber sehen konnten. Auf dem Rückweg – bei gestiegenem Wasserpegel – immer wurde dieser Schutz immer weniger wirksam; dafür wurde es windiger. Ich war jedenfalls heilfroh, als wir am Oste-Sperrwerk wieder den Windschatten des Deiches erreicht hatten... Ansonsten war es für mich überraschend, wie viele Boote – vor allem Segler – sich in der Oste-Mündung tummelten. Einige hatten sich trocken fallen lassen und die Besatzungen spazierten um ihre Boote herum, gerade so, wie wir es auch getan haben... Abends grillen und Bier trinken. Und Carsten hatte meinen neuen Freund Jan Torf mitgebracht. Das nächtliche Schlafen war nicht ganz so erquickend, weil irgend jemand beim Schnarchen zu viel Krach gemacht hat (einer findet sich immer!). Ich habe es dann vorgezogen, mich draußen am Deich unter den Vierer zu legen und dort den Rest der Nacht zu verbringen. Die Wiese draußen war auch ein bisschen bequemer, als der Betonboden im Bootshaus. |
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Flussaufwärts zum Eis-AnlegerAm Sonntag sind wir die Oste – nun? aufwärts gefahren! Wieder mit der Tide, bis zur Kreuzung mit der Bundesstraße 73 in Hechthausen (GE). Hier gibt es einen netten Anleger an der Windmühle und hier haben wir gerastet, bis zur Rückfahrt. Abgesehen von der steifen Brise am Vortag auf der Elbe war Pfingsten 2009 sehr warm. Und es war so warm, dass uns auf der Rückfahrt von der Windmühle die Sehnsucht nach einem Eis ergriff. Nun ist die Oste mit Kiosken nicht sehr üppig ausgestattet. Um ehrlich zu sein: an beiden Rudertagen haben wir keine Einkaufsmöglichkeit gesehen. Deshalb haben wir gegen Mittag einen Mann angesprochen, der es sich an seinem Steg im Liegestuhl gut gehen ließ, während er seine Kinder beim Baden beaufsichtigte. Eis?? Das gibt es bei ihm! Was wir denn gern hätten! Wir haben uns was mit Vanille und Schokolade gewünscht und dann ist er los geschlendert, und über den kleinen Oste-Deich gestiegen. Wir haben derweil an seinem Steg fest gemacht und als er zurück kam hatte er eine Pappschachtel mit sechs Eis-am-Stiel: vier für uns und zwei für die Kinder. Die sind gar nicht erst aus dem Wasser gestiegen sondern haben das Eis gleich schwimmend geschleckt. Wir kamen dann ins Gespräch und der Mann erzählte uns von seinem Haus, in dem er gerade den Tourismus-Betrieb mit seinem Ferienhaus eröffnet hatte (leider keine Website). Für das Eis wollte er dann noch nicht einmal Geld … Auf der weiteren Rückfahrt hat mich etwas der Teufel gekitzelt. Ich weiß nicht mehr, wie es begann, aber irgendwann habe ich angefangen, meine Mannschaft anzufeuern, wie ich es als Junior-Ruderer mit meinen Mannschaften getan habe. Ich bin als Junior viel als Steuermann unterwegs gewesen und kenne daher die vielen Ansagen und Beschimpfungen, mit denen Steuerleute ihr Boot nach vorne brüllen. Und nachdem die allgemeine Kondition im Boot etwas nachgelassen hatte, habe ich diesen Weg gewählt, die Fahrt zu Ende zu bringen. |
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Spannend war, zu sehen, was passierte, als wir kurz vor dem Ziel an der Schwebefähre Osten-Hemmoor mehrere Dutzend Zuschauer hatten. Die ließen sich mit der historischen Technik über die Oste tragen und waren sehr interessiert an dem, was da laut brüllend durch die nachmittägliche Stille drang. Und wie wir näher kamen mobilisierte die Mannschaft noch einmal alle Kräfte und lieferte den Fährenschwebern ein überraschendes und beeindruckendes Bild, das gleich mehrfach foto- und videografiert wurde: ein Vierer, gespielt drei mit hoher Schlagzahl und lautem Gebrüll – was für ein Spektakel … Und weiter …Nach der vielen Flusslandschaft auf den letzten Pfingstwanderfahrten haben wir uns noch in Hemmoor auf das Ziel für Pfingsten 2010 geeinigt: es soll nach Hamburg gehen, in die Häfen und auf die Alster. Mal was ganz Anderes! |